FAQ

 

Inter*, Intergeschlechtlich, Intersex, Zwischengeschlecht,… – was ist das?

Die Gesellschaft – und somit auch die Medizin – hat sehr enge Vorstellungen davon, was ein „Mann“ und was eine „Frau“ ist..

Ein „Mann“ hat XY-Chromosomen, Testosteron und Spermien produzierende Hoden in einem Hodensack unterhalb seines Penis, der bei der Geburt größer als 2,5 Zentimeter ist und in dessen Eichel die Harnröhre mündet. Sein Körper reagiert auf das Testosteron in der Pubertät mit Haarwuchs, Stimmbruch und Muskelwachstum.

Eine „Frau“ hat XX-Chromosomen, weibliche Hormone und Eizellen produzierende Eierstöcke, eine in eine Gebärmutter mündende Scheide unter ihrer bei der Geburt weniger als 0,7 cm großen Klitoris und der darunterliegenden Harnröhre. Ihr Körper reagiert auf die weiblichen Hormone mit der Produktion von Eizellen und Brustwachstum.

Manche Menschen werden allerdings mit uneindeutigen Genitalien geboren oder besitzen Geschlechtsmerkmale (chromosomal, anatomisch und/oder hormonell), die nicht den „klassischen Idealen“ eines rein männlichen oder weiblichen Körpers entsprechen – sie sind Inter*.

Es gibt also auch nicht den einen intergeschlechtlichen Körper – im Gegenteil, es gibt eine sehr große Vielfalt!

Die Geschlechtsidentität intergeschlechtlicher Menschen kann inter* sein, muss aber nicht. Sie können auch eine männliche, weibliche, trans* oder andere Identität haben.

 

Es werden soviele verschiedene Begriffe verwendet – warum?

Sprache ist lebendig und ständig in Veränderung. Es gibt Begriffe die früher üblich waren und heute nicht mehr – und genauso werden auch immer wieder neue Begriffe geprägt. Es gibt Wörter, die einen positiven oder negativen Beigeschmack haben und Wörter die aus der Medizin oder Biologie kommen oder aus anderen Sprachen. Wir verwenden den Begriff „intergeschlechtlich“.

mehr zu Inter* und Sprache gibts in der gleichnamigen Broschüre von TransInterQueer hier zum download: http://www.transinterqueer.org/download/Publikationen/InterUndSprache_A_Z.pdf

 

Wie viele Inter*Menschen gibt es?

Bis zu 1,7% der Bevölkerung sind auf die eine oder andere Weise intergeschlechtlich (Quelle: Sexing the body, Dr. Anne Fausto-Sterling, 2000).

Bei etwa 1 von 2000 Kindern wird die Intergeschlechtlichkeit bereits bei der Geburt festgestellt, andere erfahren davon erst später im Leben – oder auch gar nicht.

hier zwei Artikel für alle, die sich genauer mit Zahlen und Schätzungen auseinandersetzen möchten, einmal aus Australien und einmal aus den USA:

https://oii.org.au/16601/intersex-numbers/

http://intersexroadshow.blogspot.co.at/2012/03/how-common-is-intersex-status.html

 

 

Wie wird Intergeschlechtlichkeit festgestellt?

In manchen Fällen wird Intergeschlechtlichkeit gleich nach der Geburt des Kindes festgestellt, da die äußeren Genitalien nicht klar männlich oder weiblich zugeordnet werden können.

In anderen Fällen wird es erst später im Leben erkannt, zum Beispiel wenn die Pubertät ausbleibt oder anders verläuft als erwartet, oder wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt und deswegen ein*e Ärzt*in aufgesucht wird.

Und ganz viele Menschen, die nach unserer Definition inter* sind, würden nie im Leben daran denken, dass es so sein könnte!

 

Ist Intergeschlechtlichkeit eine Krankheit?

Intergeschlechtlichkeit ist keine Krankheit und keine Störung, genauso wenig wie Männlichkeit oder Weiblichkeit – allerdings werden dem viele Mediziner*innen widersprechen, und viele Formen von Intergeschlechtlichkeit stehen auch immer noch im internationalen Krankheitsindex, zusammengefasst als „Disorders of Sexual Development“. Damit gilt es für viele als „behandlungsbedürftig“.

Hauptargument ist noch immer die These, ein Mensch bräuchte ein „eindeutiges Geschlecht“ für eine „gesunde“ psycho-sexuelle Entwicklung. Dabei sind es nicht die Kinder, die operative Behandlung benötigen, sondern die Eltern, die psycho-soziale Unterstützung brauchen!

 

Wie werden Inter*s in der Medizin heute behandelt?

Es kommt natürlich darauf an, in welchem Alter Menschen damit konfrontiert werden und unter welche Diagnose sie bei Ärzt*innen fallen. Je nachdem wird den Eltern oder den Jugendlichen aber von Mediziner*innenseite geraten, sich für eines der beiden anerkannten Geschlechter zu entscheiden. Die Option, einfach so zu bleiben wie mensch ist, wird meist nicht angeboten.

Stattdessen werden die Möglichkeiten aufgezeigt, den intergeschlechtlichen Körper chirurgisch und hormonell zu verändern: Gonaden entfernen, eine „zu große Klitoris“ verkleineren bzw. einen „zu kleinen Penis“ vergrößern, die Harnröhre verlegen,  eine künstliche Vagina angelegt, Pubertätshemmer verabreichen, weibliche oder männliche Hormone geben. Keimdrüsen zu entfernen bedeutet in jedem Fall, dass der*die Betroffene ein Leben lang auf Hormonersatztherapie angewiesen ist und fortpflanzungsunfähig ist. Geschlechtszuweisende Eingriffe richten oft großen Schaden an wie z.B. Sensibilitätsstörungen.

Viele Betroffene berichten von frühen, traumatisierenden Eingriffen und Behandlungen und haben oft Probleme mit dem verordneten Geschlecht, weil dieses als aufgezwungen erlebt wird.

 

… und was sagen wir dazu?

Wir haben die Forderungen der europäischen Intersex Organisation OII Europe mitformuliert und versuchen diese auf nationaler Ebene umzusetzen.

Das Hauptanliegen der Selbstvertretungsorganisationen sind der Stopp der nicht-konsensuellen kosmetischen und sterilisierenden Operationen und anderen medizinisch nicht notwendigen Interventionen an intergeschlechtlichen Menschen.

Weiters rufen wir zu einem positiven, nicht-pathologisierenden Umgang auf und fordern:

  • den uneingeschränkten Zugang zu Bürger- und Menschenrechten für zwischengeschlechtliche Menschen
  • ein höchstmöglichen Maß an Gesundheit und Information
  • Anpassungen des Personenstands-, Namens-, Adoptions- und Eherecht etc.
  • die Unterstützung von Selbsthilfe und Forschung
  • die Entschädigung der Opfer geschlechtsverändernder Interventionen

Details finden sich in unserem Positionspapier – hier als pdf zum Download.

 

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